Die Eingewöhnungsphase

Damit die kleinen sich wohlfühlen und morgens gern durch diese tür schreiten.

Die Eingewöhnung ist für mich nicht einfach „die ersten Tage“, sondern ein echter Übergang im Leben eines kleinen Kindes. Kinder zwischen ein und drei Jahren geben in dieser Phase zum ersten Mal einen Teil ihrer vertrauten Sicherheit ab – und das ist etwas Großes. Für viele Kinder bedeutet es: Neue Menschen, neue Räume, neue Geräusche, ein anderer Rhythmus und vor allem die Frage: Bin ich hier sicher, auch wenn Mama oder Papa nicht da sind? Genau deshalb braucht Eingewöhnung Zeit, Ruhe und eine Begleitung, die sich am Kind orientiert – nicht am Kalender.

Ich arbeite dabei angelehnt an das Berliner Eingewöhnungsmodell. Das bedeutet: Das Kind startet nicht allein, sondern gemeinsam mit einer vertrauten Bezugs- person. In den ersten Tagen geht es nicht darum, „schnell abzugeben“, sondern darum, dass das Kind die neue Umgebung kennenlernen darf, während Mama oder Papa als sichere Basis noch da sind. Erst wenn das Kind beginnt, Vertrauen aufzubauen, folgen erste kurze Trennungsversuche. Danach wird Schritt für Schritt geschaut: Was schafft das Kind gerade gut und was ist noch zu viel? Das Berliner Modell ist für mich ein hilfreicher Rahmen, aber keine starre Vorgabe. Denn jedes Kind ist anders und jedes Kind hat sein eigenes Tempo.

Trennung ist für kleine Kinder oft mit Stress verbunden – und das ist völlig normal. Wenn ein Kind sich von seiner wichtigsten Bezugsperson lösen muss, reagiert nicht nur das Herz, sondern auch der Körper. In solchen Momenten können Stresshormone wie Cortisol ansteigen. Manche Kinder weinen, andere klammern, manche werden still oder wirken plötzlich „brav“, obwohl sie innerlich sehr angespannt sind. Deshalb ist es mir wichtig, nicht nur das Verhalten zu sehen, sondern das Kind dahinter: Was zeigt es mir gerade? Was braucht es jetzt, um sich wieder Sicher zu fühlen?

Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist es, Kinder in dieser Phase zu co-regulieren – also ihnen zu helfen, Stress wieder herunterzufahren. Ich bleibe ruhig, bin verlässlich da, gebe Nähe, Orientierung und klare Abläufe. Ich begleite die Kinder mit Worten, Blickkontakt und liebevoller Präsenz, ohne sie zu überfordern. Kleine     Rituale, Wiederholungen und ein gleichbleibender Rahmen helfen dabei, dass Kinder nach und nach Vertrauen entwickeln und innerlich stabil werden können. Denn erst wenn ein Kind sich Sicher fühlt, kann es spielen, entdecken, lernen und wirklich ankommen.

 

Eingewöhnung bedeutet nicht, dass alle Kinder das Gleiche brauchen – sondern dass jedes Kind das bekommt, was es braucht. Manche Kinder möchten schnell loslaufen, andere brauchen länger, manche brauchen mehr Nähe, andere mehr Abstand. Manche Kinder zeigen Stress deutlich, andere sehr leise. Ich passe die Eingewöhnung an das Kind an, nicht das Kind an ein System. So kann jedes Kind auf seine Weise in die Betreuung hineinwachsen und erleben: Ich werde gesehen. Ich werde verstanden. Ich darf dazugehören. Ich darf teilhaben.

Für Eltern ist diese Zeit oft genauso emotional wie für die Kinder. Deshalb ist mir ein enger, wertschätzender Austausch besonders wichtig. Ich möchte, dass Eltern sich sicher fühlen, Fragen stellen dürfen und spüren: Wir machen das gemeinsam. Eine gelungene Eingewöhnung bedeutet für mich nicht, dass es nie Tränen gibt, sondern dass das Kind in seinem Gefühl gehalten wird und Schritt für Schritt die Erfahrung macht: Hier bin ich sicher. Hier bin ich willkommen.